Die Lebenswelt der Kinder orientiert sich an der Lebenssituation ihrer Eltern. Die alltagsweltlichen Bezugssysteme von Eltern und Kindern haben sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Bedingungen von Familien im Hinblick auf die Berufstätigkeit beider Elternteile, Arbeitszeitflexibilisierung, räumliche Mobilität, brüchige Familienstrukturen sowie das Bewältigen von Krisensituationen und veränderte Familienstrukturen durch vermehrte örtliche Trennung der verschiedenen Generationen einer Familie machen ein Umdenken und eine Öffnung des professionellen Bereiches der Kinderbetreuung erforderlich.
BG Hort IIMit unseren Betreuungsangeboten wollen wir den Kindern individuelle, vielschichtige Bildungs- und Entfaltungsangebote bieten und ihre Entwicklung hin zu gestärkten Persönlichkeiten begleiten, die innerhalb der Gruppe ihren Platz finden und einnehmen. Die Gruppensituation gestaltet sich familienähnlich.
Alle Kindertagesstätten sind für die Kinder Raum zum Handeln, aber auch Schutzraum.
Für die Eltern unserer betreuten Kinder ist es unser Anliegen, ihnen in ihrer individuellen Lebenslage ein verlässlicher Partner zu sein.
Unsere Grundpfeiler
Die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens in den Kindertagesstätten sind Verständnis, Respekt, eine gewisse Gelassenheit und ein freundlicher Umgangston. Die Erzieherinnen und Erzieher stehen den Kindern als liebevolle Begleiter auf einem Abschnitt ihres Lebensweges zur Seite. Sie holen die Kinder dort ab, wo sie stehen. Je nach den Bedürfnissen der Kinder gibt das Team Hilfestellungen, bietet emotionale Unterstützung und Trost, wirkt als Impulsgeber, nimmt an Rollenspielen teil oder zieht sich beobachtend zurück.
Unsere Einrichtungen arbeiten nach dem situationsorientierten Ansatz. Er stellt die Kinder in den Mittelpunkt des täglichen Geschehens, d. h. das Kind wird in seiner Vielfalt ganzheitlich angenommen.
Das Kind wird mit seinem Wesen, mit seinen Stärken und Schwächen sowie unter Berücksichtigung seines sozialen Umfeldes und der damit verbundenen Lebenssituation individuell gefördert.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Handlungsschwerpunkte, die nachfolgend beschrieben sind wie z. B. Projektarbeit und Bewegungserziehung.
Praktisches Tun
Kindheit heute ist mehr denn je von Eltern und Erwachsenen gelenkt und lässt immer weniger Raum zu eigenem praktischen Tun, zum Ausprobieren, zu Versuch und Irrtum, sowie zu entdeckendem Lernen. Das erschwert den Kindern, das eigene Leben zu begreifen und zu verstehen. Gleichzeitig wachsen sie heute mit einer Vielzahl von medialen und konsumorientierten Eindrücken auf.
Kinder lernen jedoch, indem sie etwas praktisch tun und wollen, also im wahrsten Sinne „begreifen". Sie nutzen ihre Hände und Augen und nehmen Erkenntnisse erst sinnlich wahr, bevor sie davon ein geistiges Abbild als Vorstellung bilden.
Uns ist es deshalb wichtig, dass die Kinder in unseren Kindertagesstätten verschiedenste Dinge praktisch tun, gewissermaßen „greifen um zu begreifen".
Individuelle Förderung - Gezielte Unterstützung individueller Bedürfnisse
Wir verstehen es als unseren Auftrag, für jedes Kind eine sinnvolle und inhaltlich pädagogisch aufeinander abgestimmte Arbeit zu leisten. Diese Begleitung bezieht sich auf die Bedürfnis- und Erfahrungswelt des einzelnen Kindes. Jedes Kind wird entsprechend seiner individuellen Bedürfnisse gezielt unterstützt. Hierbei begleiten die Erzieherinnen und Erzieher das Kind aktiv. Sie erkennen die Stärken und Schwächen eines jeden Kindes und unterstützen es individuell in seiner Entwicklung.
Freie Entfaltung
Die Kinder sollen sich in unseren Einrichtungen frei entfalten können. Das Kind entscheidet deshalb zeitweise selbst, welches Angebot es nutzen möchte, um sich nach seinem eigenen inneren Rhythmus mit der Welt auseinander zu setzen.
Stärkung der Sozial-, Selbst- und Sachkompetenz
Gegenwärtig besteht die Möglichkeit, dass Kinder bereits schon ab einem Alter von 18 Monaten bzw. 2 Jahren die Kindertagesstätten besuchen können. Dieses trägt dazu bei, dass Kinder sehr früh eigene Erfahrungen im Bereich der Sozial-, Selbst- und Sachkompetenzen machen.
Durch eine Mischung von alterspezifischen und altersgemischten Angeboten werden die Interessen der Kinder gefördert, aber auch Erfahrungshorizonte durch Altersmischung und eine erhöhte Auswahlmöglichkeit an Spielpartnern erweitert.
Integrationsplätze
In unseren Einrichtungen werden Kinder mit und ohne Behinderungen betreut. Dieses Zusammenleben ermöglicht ein Lernen miteinander und voneinander. Werte wie Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Toleranz finden hier Beachtung.
Bewegung im Freien
Freies Spiel
Das Spiel ist das wichtigste Element des kindlichen Lernens.
Die meisten sozialen Fähigkeiten werden durch konkrete Erfahrungen im Spiel erworben und verarbeitet. Daher legen wir großen Wert darauf, dass Kinder lange Spielphasen haben, um Spielpartner und Spielmöglichkeit nach individuellen Bedürfnissen zu wählen. Das Spiel beinhaltet das Akzeptieren und Entwickeln von Regeln und ermöglicht damit erst ein Miteinander.
Regelmäßige Bewegung
Regelmäßige Bewegung ist ein zentraler Bestandteil bei der Förderung der motorischen Entwicklung. Ausreichende Bewegungsmöglichkeiten schulen nicht nur die Körpergeschicklichkeit, sondern stärken die Koordination, das Selbstvertrauen und steigern die Konzentrationsfähigkeit.
In unseren Einrichtungen bieten wird deshalb unterschiedliche Bewegungsmöglichkeiten an, z. B. Spaziergänge, Schwimmtage, Bewegungsbaustellen oder unseren beliebten Waldtag. In Kleingruppen finden darüber hinaus wöchentlich Turnstunden statt.
Draußen spielen bei jedem Wetter
Bewegung findet in und außerhalb der Kindertagesstätten regelmäßig statt. Das steigert die allgemeine Konstitution und mindert die Infektanfälligkeit. Gleichzeitig erfahren die Kinder den Kreislauf der Jahreszeiten ganz bewusst und aktiv.
Förderung der Kreativität und Fantasie
Unsere Kindertagesstätten sind Orte, an denen die Kinder ihr kreatives Potenzial entwickeln und ausleben können. Hierfür stehen ihnen in den jeweiligen Einrichtungen unterschiedliche Erfahrungsräume mit unterschiedlichen Themen und Werkstoffen zur Verfügung.
Die offene Gruppenarbeit bietet eine besonders große Auswahl an Spielmöglichkeiten. Angeboten werden in diesem Bereich in wechselnden Zeitabständen folgende Themen:
- Werken in der Holzwerkstatt,
- Koch- und Backangebote,
- Bewegungsangebote,
- besondere Angebote zu Projekten,
- Kunstwerkstatt,
- Angebote zum Forschen und Entdecken,
- Vorlesestunden,
- Entspannungsstunden,
- künstlerische Angebote,
- musikalische Angebote
Rituale und Regeln
Rituale und Regeln geben dem Kind Sicherheit im Tagesverlauf und regeln den Alltag. Unsere Regeln und Rituale sind daher einfach und nachvollziehbar gestaltet und werden im täglich stattfindenden Morgenkreis und innerhalb des Tages immer wieder vorgestellt, besprochen und wiederholt.
Festivitäten
Innerhalb des Jahreszeitenkreislaufes feiern wir unterschiedliche Feste, wie z. B. die Geburtstage der Kinder, das Sommerfest, die Adventsfeier, der Laternenumzug. Diese Feste gehören zum festen Bestandteil des Alltags. Die Kinder, Erzieherinnen und Erzieher sowie die Eltern sind an der Vorbereitung, Umsetzung und Planung aktiv beteiligt.
Durchführung von lebensnahen Projekten
Kinder lernen in Sinnzusammenhängen. Deshalb ist das Lernen innerhalb von Projekten eine optimale Möglichkeit, Themen aus der Lebenswelt umfassend kennen zu lernen und aufzubauen. Bei der Projektarbeit sehen wir unser pädagogisches Ziel, Kinder in ihrem eigenen Handeln zu stärken, eine Öffnung zum Umfeld zu schaffen, Lebensnähe, Mitbestimmung, vorhandene Kompetenzen zu fördern und eine Methodenvielfalt zu ermöglichen und zu verbinden. Projekte können je nach Thema unterschiedlich lang sein, von mehreren Wochen bis hin zu Monaten. Der Tagesablauf und die stattfindenden Projekte bilden hierbei eine Einheit. Die Projektthemen entstehen aus Fragen und Vorschlägen der Kinder und der Erzieherinnen wie z. B. unsere Familie, Zirkus, Weltreise.
Vorbereitung auf die Grundschule
Nach dem gelungen Eintritt in die Kindertagesstätte stehen die Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren auf der Schwelle zu einem weiteren neuen Lebensraum, dem Übergang in die Grundschule.
Diese Kinder erhalten bei uns im Rahmen einer eigenständigen Gruppenarbeit ein weiteres Mal die Möglichkeit, sich mit ihren persönlichen Fähigkeiten und Begabungen zu beschäftigen.
In dieser Phase ist uns wichtig, ein positives Selbstwertgefühl und das Erlernen von Fertigkeiten, die Kinder beim Hineinwachsen in die Welt benötigen, zu stärken und auszubauen. Die Kinder werden darin bestärkt und ermutigt, in der Gegenwart und in der Zukunft selbstbestimmt und sachgerecht zu handeln.
Zusammenarbeit mit Eltern
Für das Kind ist es besonders wichtig, dass Eltern und Erzieherinnen bzw. Erzieher vertrauensvoll zusammenarbeiten und sich gegenseitig informieren. Das Kind lernt zum einen die Wertschätzung innerhalb des Umgangs Erwachsener kennen und kann sich vertrauensvoll an sie wenden. Zum anderen erlebt das Kind das Elternhaus und die Kindertagesstätte als einen ganzheitlichen Lebensraum, der zwar unterschiedliche Entfaltungsmöglichkeiten bietet, aber gemeinsame Zielvorstellungen für und mit dem Kind entwickelt. Um einen gleichmäßigen, stabilen Austausch zu schaffen, finden in regelmäßigen Zeitabständen unterschiedliche Gespräche statt:
- „Tür- und Angelgespräche",
- Einzelgespräche über die Entwicklung und Förderung des Kindes,
- regelmäßige Elternabende,
- gemeinsame Gespräche mit Fachinstitutionen (Frühförderstelle, Logopäden etc.) und
- Eltern-Kind-Veranstaltungen.
Bei Ausflügen, Veranstaltungen und Arbeitseinsätzen ist Elternmithilfe immer wieder gewünscht und erforderlich. Das Leben in der Kindertagesstätte kann hier miterlebt werden. Informationen und Termine werden regelmäßig am Aushang bekannt gegeben. Ein weiterer wichtiger Kontakt zwischen Eltern und Erziehern ist der Elternbeirat, der sich einmal in Monat trifft. Der Elternbeirat unterstützt die inhaltliche Arbeit, organisiert Feste, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und kümmert sich um weitere Anliegen von Eltern.
Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Gemeinsam mit den Eltern wollen wir Fürsprecher für Kinder in allen Belangen sein. Damit wir individuell und differenziert die Kinder fördern können, arbeiten wir mit anderen sozialen Einrichtungen sowie entsprechenden Fachdiensten zusammen.
Dies sind:
- Frühförderstellen,
- Schulen,
- Fachschulen für Sozialpädagogik,
- das Jugendamt der Stadt Kassel und
- Logopäden sowie Ergotherapeuten.