Faustlos

Wir arbeiten in unseren Gruppen mit dem Programm FAUSTLOS. Dieses Programm hat zum Ziel, das Sozialverhalten von Kindern zu fördern und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Wir werden mit den Kindern viel über Gefühl sprechen und sie lernen mit FAUSTLOS, alltägliche Probleme konstruktiv zu lösen. Kinder, die mit FAUSTLOS begleitet werden, sind sozial kompetenter und haben mehr Erfolg in der Schule.

Die Lektionen von FAUSTLOS sind in drei Bereiche unterteilt:

1.Empathieförderung

Hier lernen die Kinder:
  • Gefühle zu erkennen (z.B. glücklich, traurig, ärgerlich)
  • vorherzusagen, wie andere Menschen sich fühlen (indem sie sich in andere hineinversetzen);
  • anderen ihr Mitgefühl zu zeigen (indem sie auf die Gefühle anderer reagieren).

2. Impulskontrolle

Hier lernen und üben die Kinder:
  • ein Problemlöseverfahren;
  • verschiedene soziale Verhaltensweisen (z.B. Teilen, Abwechseln).

3. Umgang mit Ärger und Wut

Hier lernen und üben die Kinder:
  • sich zu beruhigen;
  • ihre Ärger-Gefühle sozial angemessen zum Ausdruck zu bringen.


In der 1. Einheit geht es um die „Empathieförderung".

Die Kinder werden dabei sehr viel über Gefühle lernen und wie man sie erkennen kann.

Außerdem werden wir spielerisch erarbeiten, dass....
  • Menschen sich in ihren Gefühlen voneinander unterscheiden können (so kann ein Kind Angst davor haben, auf einen Baum zu klettern, während das einem anderen Kind sehr viel Spaß macht);
  • sich Gefühle verändern;
  • manche Dinge absichtlich und manche unabsichtlich geschehen, und dass es wichtig ist, sich zu entschuldigen wenn man z.B. jemanden aus Versehen geärgert hat.

Zudem werden wir mit den Kindern üben,
  • die Gefühle anderer vorherzusagen („Wenn ich mir jetzt den Ball schnappe, dann könnte Tina traurig sein.");
  • anderen zu sagen, wie man sich fühlt („Ich fühle mich traurig, wenn Du weggehst.");
  • anderen zuzuhören.

Sie können unsere FAUSTLOS-Arbeit durch folgende Dinge unterstützen:

1) Spielen Sie „Ich bin..., wenn ich...", indem Sie sich unterschiedliche Situationen und Gefühle ausdenken („Ich bin sauer, wenn mir jemand mein Spielzeug wegnimmt, ohne mich zu fragen.")

2) Wenn Sie ein Buch vorlesen, dann sprechen Sie darüber, wie die Personen in der Geschichte sich fühlen und ob Sie selbst und Ihr Kind sich schon einmal genauso gefühlt haben.

3) Wenn Ihr Kind ein Gefühl zeigt, dann helfen Sie ihm, dieses Gefühl zu benennen („Ich sehe, dass Du die Stirn runzelst. Wie fühlst Du Dich?")

Wenn Sie auf die Gefühle Ihres Kindes eingehen und über seine Gefühle mit ihm sprechen, dann wird es sich ernst genommen fühlen und die Gefühle von anderen besser verstehen.


In der 2. Einheit geht es um „Impulskontrolle".

Die Kinder werden dabei lernen, wie man Probleme eigenständig lösen kann. Mit Hilfe von zwei Handpuppen, dem „Ruhigen Schneck" und dem „Wilden Willi", werden wir den Kindern auf spielerische Art und Weise ein Verfahren zur Problemlösung beibringen. Diese Problemlösestrategie besteht aus folgenden fünf Schritten:

1. Was ist das Problem?

2. Was kann ich tun?

3. Frage Dich bei jeder Lösung:
  • Ist sie ungefährlich?
  • Wie fühlen sich die Beteiligten?
  • Ist sie fair?
  • Wird sie funktionieren?

4. Entscheide Dich für eine Lösung und probiere sie aus.

5. Funktioniert die Lösung? Wenn nicht, was kannst Du jetzt tun?

Sie können Ihr Kind durch folgende Dinge Zuhause unterstützen:
  • Unterstützen Sie Ihr Kind darin, Probleme selbst zu lösen, indem Sie es bei aktuellen Problemen z.B. fragen: „Was könntest Du tun?" und dann (um möglichst viele Lösungsvorschläge zu sammeln): „Das ist eine Idee, was könntest Du noch tun?"
  • Versuchen Sie, die Lösungsvorschläge Ihres Kindes nicht zu bewerten, sondern unterstützen Sie es darin, seine Ideen anhand der folgenden Fragen zu bewerten (es soll sich jeweils überlegen, was passieren würde wenn):
    • Ist diese Lösung ungefährlich?
    • Wie fühlen sich wohl die beteiligten Personen?
    • Ist es eine faire Lösung?
    • Wird sie funktionieren?
  • Wenn eine Lösung nicht funktioniert, unterstützen Sie Ihr Kind darin, eine andere auszuprobieren. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, Lösungen umzusetzen. Wenn es z.B. einen Freund anrufen will, damit es ihm nicht so langweilig ist, dann überlegen Sie mit ihm, was es sagen könnte, bevor es telefoniert.

In den einzelnen Lektionen der Einheit „Impulskontrolle" werden wir mit den Kindern zudem üben, Anschluss an eine Gruppe spielender Kinder zu finden, Spielgeräte zuteilen, sich abzuwechseln, zu verhandeln, aufmerksam zu sein und jemanden höflich zu unterbrechen. Oft werden wir dazu „Rollenspiele" durchführen.


In der letzten Einheit geht es um den „Umgang mit Ärger und Wut".

Die Kinder werden lernen, wie sie besser mit Wut und Ärger umgehen können. Zu diesem Zweck werden wir mit den Kindern folgende Schritte üben:

1. Wie fühle ich mich?

2. Hole dreimal tief Luft.

3. Zähle langsam bis fünf.

4. Sage „Beruhige Dich!" zu Dir selber.

5. Sprich mit einem Erwachsenen über das, was Dich ärgert.


Wir vermitteln den Kindern, dass es in Ordnung ist, wenn man ärgerlich ist. Nicht in Ordnung ist es dagegen, wenn man auf Grund seiner Wut andere schubst, schlägt oder Schimpfwörter benutzt, weil man dadurch andere verletzt oder Probleme mit den Erwachsenen bekommt. Sie können Ihrem Kind dabei helfen, mit Wut und Ärger umzugehen, wenn Sie Folgendes tun:
  • Helfen Sie ihm, seinen Ärger wahrzunehmen. Fragen Sie: „Wie fühlst Du Dich?" oder sagen Sie: „ Das muss hart für Dich gewesen sein."
  • Holen Sie tief Luft, zählen Sie langsam bis fünf und sagen Sie: „Beruhige Dich" zusammen mit Ihrem Kind, wenn es ärgerlich oder wütend ist.
  • Hören Sie aufmerksam zu, wenn Ihr Kind über seine Gefühle spricht.
  • Wenden Sie die Beruhigungsschritte selber an, wenn Sie sich ärgern und sprechen bzw. denken Sie dabei laut (seien Sie ein Modell für Ihr Kind).
Auch wir werden mit den Kindern in der Gruppe die Beruhigungsschritte immer wieder üben und sie dazu anleiten, sozial kompetent damit umzugehen, wenn sie verletzt oder gehänselt werden, wenn ihnen jemand etwas wegnimmt und wenn sie etwas nicht bekommen, was sie sich wünschen.